Die Wünsche der Hexe
a) Man führte eine alte Hexe zum Scheiterhaufen. Zuhause hatte sie ein ganzes Fässchen voll Mäuse, die aber noch keine Beinchen hatten. Unterwegs sagte sie: »Ich sett nu einisch z'rugg, d'Mys sind nu nitt 'beindlet.« (Oder: »Ich sett nu ä Sack voll Mys üsschittä.«) Aber daraus gab es nichts. Nach einer Weile wünschte sie wieder eine Erdscholle oder ein Rasenstück, gewiss ein bescheidener Wunsch. Allein auch er wurde rundweg abgeschlagen. Hätte sie Erde in ihre Hände bekommen, dann wäre sie ihnen entgangen, und die Leute hätten dann Mäuse genug bekommen.
Michael Imhof, 80 J. alt, Isental
b) Nach anderer Darstellung rief sie den Buben, die höhnend und spottend hinter ihr her liefen: »Riähret Härdwäsem, Büebä! riähret Härdwäsem!« Und die Rangen waren dumm genug, sie mit Rasenstücken zu bewerfen. Aber jetzt verschwand sie auf einmal.
Katharina Aschwanden, 80 J. alt, Isental
c) Zu Flüelen verbrannten sie einst eine Hexe. Auf dem Scheiterhaufen bat sie, man möchte sie noch ein wenig laufen lassen. Man willfahrte ihrer Bitte nicht, denn, hätte sie Erde bekommen, dann hätte man sie nicht mehr haben müssen.
Barbara Gisler, 80 J. alt, Attinghausen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.