Hexenglauben aus Bürglen
1. Durch die Bürgler Berggüter wanderte vor etwa einem halben Jahrhundert ein sonderbares Weibervolk. Am Rücken trug es einen Korb, der beständig nach rechts und links hin- und herwackelte. An einem Orte säete es Bohnen, und daselbst hat es noch am nämlichen Abend gehagelt. In Kluser Michis Berggut Riedlig zu Spiringen starb es. (Es war also die irrsinnige Vinzenzia Megnet von Attinghausen.) Seine Leiche wurde auf einen Karren geladen, mit Grissästen gedeckt und nach Attinghausen befördert. Auf dem Wege kam Arnet Heiris Ludwini von Bürglen hinzu, lüftete die Grissäste und sah, dass die Leiche brandschwarz war. Auch flogen schwarze Vögelein herum.
Einige behaupten, die Hexe sei nach Glarus geführt und dort verbrannt worden (19. Jahrh.!).
2. Noch ein anderes Wybervölchli, ds Tügg-Annäli, vagierte in jenen Jahren in Bürglen herum; es trug in einem Zeintli Tüggkugeln (Tuff) und bot sie zum Kaufe an. Aber das war nur ein Vorwand, glaubte man, in die Häuser zu gelangen und zu schaden. Man hielt es im Geheimen für eine alte Hexe.
Johanna Brücker-Arnold; Josefa Planzer-Muoser
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.