Die Rübi zu Fernigen
a) Hinter der dem heiligen Johannes Nepomuk geweihten Kapelle zu Fernigen im Meiental ging einst tosend und rauschend eine Rübi nieder. Zuvorderst auf ihr sass eine Hexe, zuhinterst stiess eine andere aus allen Kräften. Aber die Freude sollte ihnen vergellt werden. Schnell lief der Sigrist zum Kapellchen und läutete das Glöcklein. Jetzt schrie die Hexe vorn auf der Rübi: »Stoss, stoss!« Doch auch die andere hatte mit dem ersten Klang des Glöckleins ihre Gewalt verloren und antwortete: »Luisä zich! Ich mag nimmä g'stossä, St. Johanns schrytt.«
Ferdinand Dubacher
b) Ein anderes Mal fuhr die Rübi hinter Fernigen bis in die Meier Reuss hinunter und mit ihr bis gegen Husen hinaus, und erst, als es in der Talkapelle auf Flüeh-Egg läutete, rief die Hexe, die hinten auf der Rübi an einem Spinnrad mächtig trieb: »Ds Vrenäli schrytt« und stand die Rübi still.
Frau Baumann, Meien, 70 J. alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.