Die Rübi zu Schattdorf
Eine Rübi hatte die Pfarrkirche Schattdorf zertrümmert. Die Leute wollten sie nun tiefer unten in Bommatters Matte (oder: auf der Spillmatt) bauen, doch über Nacht wurde ihre Arbeit wunderbarer Weise zunichten gemacht, und die Werkzeuge, Holz und Steine fanden sich am Morgen immer wieder am alten Standort. Jetzt entschlossen sie sich, das Gotteshaus wieder auf dem alten Posten aufzubauen.
Da toste wieder einmal eine grausige Rübi durch den nahen Rübizug hinunter und bedrohte die Kirche. Aber der wachsame Sigrist lief eiligst und läutete über Wetter. Wie auf einen Zauberschlag hielt die Schutt- und Wassermasse in ihrem Laufe inne. Da hörten die Leute eine Stimme rufen: »Ja, ja, wenn ds Vreni nitt so g'schrüwä hätt, ich hätts de scho wellä uff 'Kilä leitä, sy hättet de nu wider einisch ä kei Chilä g'ha!«
Zäzilia Gisler-Walker, 70 J. alt; Josefa Imhof-Aschwanden, 85 J. alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.