In der Drachenhöhle
Zwei Bürgler, ds Schrotners, fanden in einer Fluh ob der Scheenenkulm einen langen Gang, in dem sie gwundrig weiter drangen. Sie kamen in einen weiten Raum, und da hingen grosse Zapfen wie von Eis von der Decke herunter. Sie schlugen einige ab und steckten sie in ihre Taschen. Da rodete sich etwas Lebiges; die zwei Bürgler sind erschmyet, dachten, es sei ein Drache, und flüchteten sich. Draussen machten sie ein Kreuz neben dem Eingang, um ihn kenntlich zu machen. Die Zapfen, die sie mitgenommen, waren lauteres Gold. Später wollten sie in Begleitung die Höhle wieder aufsuchen, sie fanden das Kreuzzeichen, aber keinen Eingang. Der Drache war ausgeflogen, und hinter ihm hatte sich der Felsen geschlossen.
Fr. Gisler-Arnold, 70 J. alt, Schächental
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.