Des Pfarrers Köchin
Fast jeden Abend kam in einem Hause zu Schattdorf, wenn sie den Abendrosenkranz beteten, eine unbekannte Katze ins Haus; ä wiättägä Pattsch! Sie wussten gar nicht, wie sie hereinkam. Regelmässig sprang sie zu einem hübschen Burschen auf das Ofenbänkli und setzte sich zu ihm. Dass das keine urchige Katze sei, war ihnen klar. Eines Abends versetzte ihr der so begünstigte Jüngling einen Streich an ein Bein. Nichtsdestoweniger stellte sie sich am folgenden Abend hinkend wieder ein. Erbost nahm der Bursche ein Gewehr, schoss nach ihr und traf wieder ein Bein. Die zudringliche Miez aber sprang zum Fenster hinaus und rief noch: »Dü Limel! da hesch-es etz; ich bi ja d's Pfaars Chechänä.« – Das hed alligs dr Grossvatter verzellt. Ja, der het Gschichtäli gwisst. Z'ganzä Nächtä hätt der chennä v'rzellä!
Fr. Nussbaumer-Zgraggen, 27 Jahre alt, Schattdorf
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.