Folgen des Säumens
Mühelos reich zu werden, war stets Biälä-Jeeri-Toni's zu Unterschächen heisser Wunsch. Einst traf er mit einem fahrenden Schüler zusammen, und der merkte sofort, was der Toni möchte, und sagte ihm, er solle zu einer bestimmten Stunde auf die Schächenbrücke bei Schattdorf kommen. »Dort wirst du mich antreffen, und ich werde dir helfen. Aber du darfst keine Minute zu spät eintreffen.« Gut, am betreffenden Tage machte sich der Toni beizeiten auf die Strasse. Aber »allpott« begegnete ihm ein guter Freund, ein Bekannter, und mit jedem musste er doch wenigstens ein paar Worte wechseln. Bei keinem hielt er sich lange auf. Als er jedoch auf der Schächenbrücke anlangte, war die festgesetzte Frist um ein ganz wenig verpasst, und kein fahrender Schüler liess sich blicken. Später fragte er die Bekannten aus, die ihm begegnet waren; und da kam es aus, dass keiner von ihnen an jenem Tage auf der Strasse gewesen. – So het's der Biälä-Jeeri-Toni mym Vatter und myner Müetter sälber verzellt.
Theresia Gisler, 73 Jahre alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.