Das Mädchen und die Fee
Im Oberried wohnten arme Leute. Der Vater war an der Arbeit, und die Mutter befahl ihrem achtjährigen Mädchen, die Hebamme zu holen. Es machte sich sogleich auf, und unterwegs begegnete ihm eine Frau. Sie fragte das Mädchen, wohin es gehen wolle, und da es erwiderte, es müsse eiligst die Hebamme holen, erklärte sie: »Ich bin's.« So kehrten sie zusammen heim, und sie hat ihre Sache recht gemacht. Als sie sich verabschiedete, nahm sie das Mädchen bei der Hand und nötigte es, sie zu begleiten. Zusammen stiegen sie das Oberlaubhorn hinauf.
Da öffnete sich ein Tor. Sie gingen hinein, und an den Wänden hingen große Goldklumpen. Da legte die Frau dem Mädchen Kohlen in die Schürze und verschwand.
Es bekam Angst und eilte hastig dem Ausgange zu. Doch unterwegs verlor es die Kohlen, und eine unsichtbare Hand hob sie immer wieder auf und legte sie in seine Schürze.
Eine Stimme rief ihm nach:
»Je mehr du zatterst, Wie minder du hattest.«
Auf das Geheiß der Mutter legte es daheim die Kohlen in den Keller, und als es sie da noch einmal vom Boden aufhob, waren sie pures Gold.
Aus: Küffer, G. Sagen aus dem Obersimmental (Lenk), Archiv für Volkskunde Bd. 17, 1913
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.