Todankünden zu Hohlen Balm
Zu Hohlen Balm im Maderanertal alpete seit Jahren der alt Babä-Sepp von Golzer. Hütte ist da keine, den nötigsten Schutz zum Sennen und zum Nachtlager der Älpler gewährt eine Balm, ein überhängender Felsblock, daher auch der Name der Alp.
Eines Nachts erwachte der Babä-Sepp ob eines eigentümlichen, ungewohnten Geräusches; er setzte sich auf und spitzte die Ohren. Da gewahrte er, dass es in den Gabelen (Rückenreff), die am Eingang der Höhle aufgehängt waren, »chlotterte« und sie hin- und herschüttelte. Auf einmal fuhr eine derselben, wie von unsichtbarer Hand gehoben, in die Höhe über den Rand des Felsblockes hinauf. Babä-Sepp aber war nicht blügg; kaltblütig erhob er sich von seinem Lager, trat vor die Balm hinaus, griff nach der Gabele, trug sie ins Innere und stellte sie auf den Boden mit den Worten: »So, wenn-d'si witt ha, sä magschi nu einisch chu holä!« Am folgenden Tage kam eines der Seinen von daheim mit der Nachricht, es sei die letzte Nacht das jüngste Kind gestorben, und nahm gerade jene Traggabel mit heim, um darauf die Leiche des Kindes zur Kirche in Silenen zur Beerdigung zu tragen.
Albin Gnos, 70 J. alt
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945,
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.