Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Todankünden durch fallende Tropfen

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Christina Zgraggen aus der Pfarrei Amsteg spielte mit andern Kindern in der Nähe des Bahnwärterhäuschens Nr. 42 Versteckis. Da fiel ihr auf einmal etwas wie ein Tropfen auf die Stirne, ohne dass sie sich trotz allen Herumschauens erklären konnte, woher er gekommen, auch war auf der Stirne kein Wasser. So tropfte es zum zweiten und dritten Mal. Sie rieb die Stirne mit der Schürze ab und eilte zur Mutter und erzählte alles. Bald nachher starb die Grossmutter, und jetzt wusste man, dass diese sich gekündet habe.

David Imhof, Seedorf

Unsichtbares Tropfen, besonders noch bei dem Stuhl oder der Bank, wo jeweilen die Person zu sitzen pflegte, gilt auch bei sonst etwas weniger abergläubischen Leuten, die auf andern Kündzeichen wenig halten, im ganzen Kanton als ein ganz besonders sicheres Kündzeichen. Es soll schon nicht bloss getropft, sondern geradezu »getschättert« haben.

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.