Erlebnis eines Jägers zu Sittlisalp
Unser Vater, ein Spiringer, erzählte: »Es war am Michaelsabend (28. September), und als der einzige von allen Älplern war ich in der Hütte zu Sittlisalp zurückgeblieben, weil ich beabsichtigte, am Michaelstag (zu Spiringen Feiertag, weil Patrozinium) mit der Büchse zu gehen. Da ich im Sinne hatte, früh aufzubrechen, natürlich ohne einen Gottesdienst anzuhören, begab ich mich beizeiten zur Ruhe. Ich hatte dafür schon den St. Anna-Tag mit den Unterschächenern gefeiert. Kaum hatte ich mich ins Nischt gelegt, sah ich plötzlich einen grossen Mann mit langem, weissem Barte am Tische stehen, den ich nicht kannte. Er kam auf's Nischt zugeschritten, stieg hinauf und legte sich hinter mich an die Wand. »Bi dem lyhsch etz hinecht nu nitt,« sagte ich zu mir selber, sprang hinaus und ging ins Geissgädemli hinüber. Seit jenem Abend dachte ich nie mehr daran, an einem Feiertag mit der Büchse zu gehen.«
Josef Maria Müller und Frau Arnold-Gisler, Unterschächen, u.a.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.