Mit armen Seelen gefüllter Stall
Auf den Schattdorferbergen arbeitete eine Familie in den »Bösenen«, d.h. im steilen Magerland, am Heu. Ein starker Regen liess sich ein, und sie flüchteten in einen nahen Viehstall. Der Vater allein blieb an der Türschwelle stehen und wollte nicht eintreten, trotzdem sie ihn mehrmals kommen hiessen. Nachdem sich der Regen verzogen, verliessen sie ihren Zufluchtsort, und jetzt fragten sie den Vater, warum er draussen geblieben sei. »Es sind genug darinnen gewesen«, sagte er ganz ernsthaft. »Ja, wieso denn?« entgegneten sie ihm mit Staunen. »Gewiss«, meinte der Vater, »der ganze Raum war plattgstunggetvoll; auf allen Barnen sind sie gesessen, und das Allerwüsteste ist in der Rischi gestanden; vor dem hat mir am meisten gegraut.« Man meint, er habe die armen Seelen gesehen.
Frau Gisler-Bissig, Schattdorf
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.