Die Strafe des Tierquälers
Ein Geizhals im Reusstal liess seine Kühe hungern, trotzdem sein Heugaden mit Futter mehr als genügend versorgt war. Zwischen Tod und Leben mussten sie so armselig dahinmartern, bis sie der Tod des Meisters von ihrem Elend erlöste. Von nun an regierte die Witwe. Wie sie eines Abends durch die Rischi hinaufsteigen will, um Heu zu holen, da findet sie den Deckel wie mit einem Zentnergewicht beladen, und ein eiskalter Hauch von oben macht sie erschauern. Lange rüttelt sie am Deckel, und endlich »braucht sie die Böseren«, d.h. Fluchworte. Da ging der Deckel auf, und sie schlüpfte durch die Öffnung und stand plötzlich vor einer formlosen Gestalt ohne Kopf, so kalt wie ein Eisklotz. Nachdem sie ihren Schrecken überwunden, redete sie den Geist an und vernahm von ihm das Bekenntnis, er sei ihr Gatte und müsse hier, bis zum Halse in einem Eisklotz eingeschlossen, leiden und büssen, hungern und frieren, bis er seinen Geiz gesühnt habe.
Frau Baumann-Gisler
Von Spuk, der mit Fluchworten gebannt wird und von eiskalten Geistern wurden mir noch mehr kleinere fragmentarische Sagen erzählt, die ich nicht aufgenommen habe.
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.