Tüe-n-ä, wo-nä gnu hesch
Mal Einer hat einen »Heiwpinggel« gestohlen und hat selben nie mehr zurückgegeben. Nach seinem Tode haben ihn die Leute oft gesehen mit einer Heubürde auf dem tief gebeugten Rücken nachts um das Gädemli herumstreichen, wo er das Heu entwendet hatte. Dazu rief er an einem fort und jammerte: »Wo sol-ä-n-äu hitüe? Wo sol-ä-n-äu hitüe?« Niemand hat gewusst, wie ihm zu helfen sei, bis einmal ein Betrunkener des Weges gekommen ist und ihm frech gerufen hat: »Dü Limel, tüe-n-ä, wo-nä gnu hesch!« »Gottlob, uff das Wort hani scho lang planget«, hat da der Geist gerufen, hat die Bürde gleitig über die Leiter hinaufgetragen und zum Tor hineingeworfen und ist schneeweiss wieder herausgekommen und ist dann verschwunden.
Franz Herger, Cnuori
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.