Sühnendes Blutvergiessen
An einem Ort in der Nähe der Reuss lebte eine Familie, die, zuerst blutarm, nach und nach auf unerklärliche Weise reich wurde. Da starb der Vater. Einige Zeit nachher schauten einmal die Kinder zum Fenster hinaus und sagten: »Wir sehen drunten an der Reuss den Vater mit Einem schwingen.« Sie liessen ihn anreden und vernahmen, er habe während seines Lebens Leute beraubt und in die Reuss gestürzt. Er werde erlöst werden, sobald in seiner Familie Blut vergossen werde. Gar nicht solange dauerte es, bis einmal eines seiner erwachsenen Mädchen im Walde über eine Baumwurzel bstirchlete und sich verletzte – het-si kräblet –, sodass Blut floss und es an einer Blutvergiftung sterben musste.
Katharina Gamma, 50 Jahre alt, Wassen
Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.