’s Wätter chehrt
’s Wätter chehrt
Zwüsche Tag u Nacht bin i mit em Husbur gäg em Hüselmoos abe; i bi äi Rung e chline Bueb gsi. Mit hei Warlef gsetzt, un äs isch e schöni Nacht gsi.
Wo mer uber e Bärg hei si, ghöre mer e Jagd. Es chlis Hüngli het gjagt. Am Morge, gäb’s Tag gsi isch, isch es schröckeligs Wätter cho.
In der Regel tritt die wilde Jagd zu allen Jahreszeiten auf; aber einzelne Erzählungen weisen auch bei uns auf eine bestimmte Zeit hin, auf die „kurzen Tage", zwischen „Weihnachten und Neujahr“. Das ist kein Zufall. Vielfach nennen deutsche Sagen die zwölf langen Nächte, die Zwölften, zwischen Weihnachten und Dreikönigstag als die Zeit des Auftretens der wilden Jagd. Im Glauben klingen noch alte Erinnerungen an die Wintersonnenwende an: die Sonne hat ihren tiefsten Stand erreicht; ihre schaffende Kraft droht bösen Gewalten zu erliegen. In den langen Nächten treiben finstere Dämonen ihr Unwesen; Scharen von Geistern brausen in wütendem Sturm über die winterliche Erde hin.
Aus dem Heer der Seelen löste sich, entsprechend irdischen Verhältnisen, eine Einzelgestalt ab: ein Anführer, der wilde Jäger, der Dürst, ein Reiter auf weissem Pferde, setzt sich an die Spitze der wütenden Schar, die in einzelnen Sagen gar nicht mehr Erwähnung findet.
M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.