Vom Änd vo dr Wält
Vom Änd vo dr Wält
’s Jammeili isch es Fraueli gsi, es arms u wäger nid es hoffärtigs; i nimen-a, äs heig ihm mängisch e chli im Chopf gfählt: hinger im Toggiburg isch es deheime gsi. Das het gwissaget, we ’s Änd vo dr Wält nohe sig, fahri Wäge mit füürigen Augen uf isige Strosse. Ross heig meh keni meh. So wie’s jetze sig, gang’s nümme lang. Dr jüngscht Tag sig gli nohe.
Die Sage vom Weltende enthält alte heidnische Weissagungen, vermischt mit christlichen Vorstellungen; die Welterneuerung, die dem Weltende folgt, klingt ebenfalls an. Die Weissagung wird auch Niklaus von der Flüeh in den Mund gelegt; in Wirklichkeit steht sie mit ihm kaum in irgend einer Beziehung.
In Einzelheiten weiss sie sich einer veränderten Zeit anzupassen und spiegelt ein Bild wider, wie es sich um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bieten mochte: Es ist nicht gut, wenn die Menschen zu gescheit werden, wenn Wagen ohne Rosse mit feurigen Augen auf eisernen Strassen fahren, wenn Strohhüte die grösste Hoffart kennzeichnen.
Mit der Sage vom Weltende vermischt sich die Weissagung der letzten Schlacht, die auf dem Emmefelde bei Luzern stattfindet. Die Kämpfe zu Anfang des vorigen Jahrhunderts leben noch in der Erinnerung und weisen zugleich auf eine Zeit hin, die der Weissagung neue Nahrung zuführte.
M. Sooder, Sagen aus Rohrbach, Huttwil 1929
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.