Unverschliessbare Türe in Veltheim
In einem gewissen Hause zu Veltheim geht bisweilen am Tage wie bei der Nacht die Stubentüre auf. Die Leute sind so sehr daran gewöhnt und unterscheiden die Zeit so gut, dass sie dann die geöffnete Türe nicht wieder verschliessen, es wäre doch vergeblich. Ungläubige von der neuen Schule wollten hierin eine bloss natürliche Ursache sehen und stemmten sich deshalb mit aller Gewalt gegen die Türe; sie öffnete sich dennoch und legte jene mit ihrer neuen Weisheit unsanft zu Boden. Einmal machte der Kobold seinen Besuch, als die Wiege mit einem kleinen Kinde eben an die Türe geschoben war; er warf zwar die Wiege gänzlich um, das Kleine litt aber nicht den mindesten Schaden und der Mutter, die daneben sass und spann, geschah ebenso wenig.
Auch im Fricktaler-Dorfe Obermumpf findet sich ein altes Haus, dessen Türen zu bestimmten Tagen des Jahres alle sich von selbst öffnen und die ganze Nacht darauf nicht wieder geschlossen werden können.
Man sagt von Selbstmördern, dass jene Stubentüre, durch die man ihre Leiche aus dem Hause schafft, ja sogar das Fenster einer solchen Stube, zu gewissen Nachtstunden sich stets von selber öffne.
Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 168
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch