Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das braune Mägdlein

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Ein junger Hirt winterte auf abgelegenem Maiensäss sein Vieh und wurde eingeschneit. Wochenlang kam er nicht ins Dorf und schickte auch keine Botschaft an seinen Vater. Dieser, besorgt um den Sohn, ging endlich hinauf, traf den Burschen sehr gut aussehend, den Heustock noch immer gross und das Vieh fett. «Wie machtest das», fragte der Vater, «noch solchen Heuvorrat und doch fettes Vieh?» Da wies der Sohn auf Haufen wohlschmeckender Wurzeln und sagte: «Die haben mir geholfen.» Verwundert fragte der Vater: «Wie konntest du im Winter solche Wurzeln finden?» «Sie hats getan», sagte der Sohn und zeigte auf ein braunes Mägdlein mit dunklen Feueraugen, eine kleine Gestalt, die blitzflink dem Stalle nahte. Schön lächelnd ging das Mädchen auf den Jüngling zu. Als es aber den Greis erblickte, schrie es laut auf und entfloh auf immer dem trauernden Burschen.

Aus: U. Brunold-Bigler, Die Sagensammlung der Nina Camenisch, Disentis 1987, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.