Die Bergmännchen am Pfaffenloch
Im Pfaffenloch unweit Gutbrunnen, eine Viertelstunde von dem Schlosse Rümligen, waren vor Alters zahlreiche Bergmännchen zu Hause und vielmal kamen sie des Abends zu den Menschen in die benachbarten Wohnungen und halfen emsig Hanf bereiten. Wenn sie dann heim wollten, so warfen sie risch (schnell) einen großen Knäuel aus dem Fenster und ritten fröhlich von dannen.
Einmal kamen ein paar Zwerglein eilig her und riefen eine Frau des Hauses zu Hilfe bei der Geburt eines Kindes in dem Berge drin. Und als dies vorüber war, gaben sie der Frau zum Lohne eine große Schürze voll schwarzer Kohlen. Ärgerlich ging das Weib nach Hause und ließ zu Boden fallen, so viel nur wollte, denn lieber hätte es alles weggeworfen, wenn es nicht ein wenig sich gefürchtet hätte. Die Zwerglein aber riefen hinter ihr nach: „Je mehr du zerstreuest, je mehr du bereuest!“
Da kam die Frau nach Hause, und warf den Rest von ihrer Bürde zornig auf den Küchentisch. Doch sieh! Es war lauter blankes Gold. Sie lief mit Hast um das Verlorne wieder aufzuheben, aber da war nichts mehr am Boden aufzufinden.
Theodor Vernaleken: Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.