Diebolt von Strättlingen im Höllenmoos
Gütig, fromm und gerecht waren die Herren von Strättlingen; nur wenige machten eine unrühmliche Ausnahme. Unter diesen befand sich Diebolt, der Nachfolger Burckhardts von Strättlingen, der seiner Wahrheitsliebe wegen allgemein gepriesen war. Geiz und Habsucht waren die grössten Laster jenes Fürsten. Durch sie verleitet, vergriff er sich sogar an den Gütern der Kirche. Darob in Bann getan und später aus demselben erlöst, ward er, als er dennoch sich zur Rückgabe des geraubten Guts nicht bequemen wollte, vom Teufel besessen. Bei seinem Tode aber sahen die, welche sein Sterbelager umstanden nicht nur die Seele des Dahingeschiedenen, wie sie seinen Körper verliess, sondern sie hörten auch deutlich und vernehmlich die Stimme des St. Michael, der den bösen Geistern den Befehl erteilte, dieselbe von dannen in ein Moos zu tragen, das unfern am Thunersee gelegen ist, wo sie von da an viel und oft syg gehört worden, daher das Moos noch auf den heutigen Tag das Höllmoos genannt wird.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch