Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die drei Töchter der Hexe Catillon

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Einer andern Sage nach hatte Catillon drei hübsche Töchter, die an jedem Wochenmarkte zu Boll oder Freiburg einen grossen Korb voll Eier feilboten. Den Schönen fehlte es an Freiern nicht. Bei einem Abendsitze fand einer der Kiltgänger einen Krug in einem Winkel. Unbemerkt untersuchte er seinen Inhalt, den er aber nicht erforschen konnte. Jedoch gewahrte er bald, wie jedes der lieblichen Mädchen verstohlenerweise den Krug hervornahm und von dem darin befindlichen Fette begierig ein Stückchen um das andere hinunterschluckte. Als man trank, sang und süsse Küsschen stahl, die um so wonniglicher mundeten, ging abermals jener Kilter, ohne dass man es gewahrte, zu dem Kruge, und ass die angenehm riechende Fettigkeit auf. Bei der Heimkehr spürte er Bauchgrimmen, und nach einer kurzen Weile legte er einen ganzen Kratten voll der schönsten Eier.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch