Der Bursche und der Gassentätscher
Ein ander Mal begab sich um Mitternacht ein tüchtig benebelter Bursche von Plaffeien durch die Gasse nach Plasselb. Im Ried klopfte er am Fenster eines Mädchens, bei dem er noch kilten wollte; allein auf der Holzbeige lag ein Hund, der ihm hinderlich war, so dass er demselben einen starken Stoss mit einem Scheite gab. Nun bellte der Hund ganz fürchterlich und spie aus seinem ungeheuren Rachen dem Buben Feuer entgegen, bis dieser, so geschwind, als es seine schweren Beine erlaubten, davon lief. Aber der Gassentätscher nicht faul, denn er war es selbst, hockte ihm stracks, so schwer als zwei fette Kühe von der Geissalp, auf die Achseln, und strich ihm Kinn und Backen mit den vorderen rauzottigen Pfoten, und so musste der Bursche das Ungeheuer eine halbe Stunde weit, mühsam und keuchend, mit sich fortschleppen, bis es ihn bei einem Kreuze vor dem Dorfe wiederum fahren liess.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen, Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch