Christen Chüng von Weisstannen
Die Sennen und Herden waren von der Alp heim, als ein Mann aus Weisstannen noch einmal hinauf musste, etwas Liegengebliebenes zu holen. Er kam, sich versäumend, spät Abends in der verlassenen Hütte an, und legte sich auf die bekannte Triel.
Kaum aber hatte er das Abendgebet verrichtet, als er die Türe öffnen, kommen und reden hörte. Schwitzend wagte er zu schauen, und siehe, es wurde ein Feuer gemacht in der verlassenen Feuerstätte, der Kessel eingehängt, Mich übergetan, gekocht, gekäset und gelacht, wie gewöhnlich. Als Alles fertig war, rief's hinauf zur Triel: „Christen Chüng chumm mitis ge Schotten essen!“ – Er aber bewegte sich nicht, und schwitzte fort, bis er in Schlaf verfiel.
Am Morgen war keine Spur von den nächtlichen Sennen.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.