Ghrebellhou, der Gnomenfürst
Zu Vaulion im Kreise Orbe hält in der Nacht vor Weihnachten Grebellhou, der Fürst der Gnomen, in der Landessprache „gommes“ genannt, seinen Umzug. Auf wunderbare Weise kommt er mit seiner Schaar Untergebenen daher, sämtlich verkehrt auf kleinen weißen Schweinen sitzend, deren Schwänze statt Zäumen in den Händen haltend; nur er, der Gnomenfürst im roten Purpurmantel und eine Krone auf dem Haupt, sitzt mit dem Gesicht nach vorwärts gewendet auf seinem Reittier, das auch fast noch einmal so groß ist als das der andern. So reiten sie nach dem Jouxtal hinauf, wo sie das Gold in dem Dent de Vaulion hüten. Da es aber ihrer viele Tausend sind, hört man das Schweinegetrappel auf der harten Landstraße schon aus weiter Ferne auf das Deutlichste. Jedem, der dies hört, ist jedoch geraten, sich sofort umzukehren und zu warten, bis der Zug vorüber ist, denn sie lieben es nicht, von den Menschen gesehen zu werden und strafen neugierige Blicke mit augenblicklicher Blindheit. Davon weiß ein Bursche von Vaulion zu erzählen, welcher ein ganzes Jahr lang auf dem linken Auge blind war, weil er, da ihm der Zug zu lange gewährt, nur ein klein wenig über die linke Achsel geschaut.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.