Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Kobold in der Blancherie und die Diebswächter zu Renens, die Tçauce-villha und das Haus Kouairon

Land: Schweiz
Kanton: Waadt
Kategorie: Sage

Zu Renens im Kreise Romanel spukt in der sogenannten Blancherie ein Kobold, berüchtigt durch die schlimmen Streiche, die er spielt. Allen Wäscherinnen, welche später als bis zu einer gewissen Stunde beuchen, spritzt er siedendes Wasser in das Gesicht, daher dieselben, wenn diese Stunde geschlagen, gewiss auch kein Stück Wäsche mehr netzen. Auch will man dort von Geistern wissen, die mehr den Reichen hold, am Baume oder im Speicher die Hand des Diebes zurückhalten, dass er sein Gelüste nach fremdem Gut unbefriedigt lassen muss. Ein schrecklicheres Gespenst ist die Tçauce-villha, die Hexenmutter, ein altes triefäugiges Weib, das auf einem blinden, ausgemergelten Pferde umherreitet, immer darnach trachtend, sich Jemand zu nähern, um ihm den Fuß auf die Gurgel zu drücken und so den Atem zu versetzen. Nicht minder unheimlich ist die Vorstellung von dem Hause Kouairon, das mit Allem ausgerüstet, was nur unheimlich auf die kindliche Phantasie zu wirken vermag, ein Schreckensaufenthalt für böse und ungezogene Kinder ist.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.