Der alte Lötscher und das Lauwitier 4. Teil - Hirterin am Birchmattenbord
In der Winterbletschun bei den Käneln, wo ihr noch heute die Hofstatt seht, hat der Elsun Haus gestanden. Auf dem Ofen aus der Elsun Haus, er ist jetzt in Oberried, habe ich selbst gesessen. Gott habe die Elsa selig. Ursula, der Elsun älteste Tochter, war einmal bei grosser Lawinengefahr auf dem Birchmattenbord am Hirten. Eines Abends hat Christina, ihr jüngstes Schwesterlein, ein Kind in der Wiege, das bis dahin noch nie ein Wort geredet hatte, starr nach den Fenstern geschaut und ein übers andremal gerufen: «Ursla, Ursla.» Das ist allen im Hause aufgefallen, und sie haben zu einander gesagt: «Wir lassen unsere Ursula heute abend nicht auf dem Birchmattenbord». Sie haben gut daran getan, sie mit dem Vieh zu holen, denn am andern Morgen sahen sie Scheune und Stall von einer Lawine in die Lonza geschlagen. Das Kind in der Wiege ist seiner ältern Schwester ein Schutzengel gewesen.
Quelle: J. Siegen, Sagen aus dem Lötschental, Erweiterte Ausgabe der Gletschermärchen (1905), Lausanne 1979.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.