Glühendes Eisen im Futtertrog
Des Lengen Peetsch hatte bei seiner Hirtete an Winkelmahd ein untätiges Fähdli Es liess die Tränke von Tag zu Tag mehr im Trog, fiel zusehends aus der Schwarten, und der Tag war vorauszuberechnen, an dem es drauf gehen würde.
Es war Ungutes im Spiel.
Peetsch lief auf Hasli zum Egger auf dem Russ. Der gab ihm an, den Futtertrog mit dem Brand zu zeichnen und einmal zum Füttern ein Stück Eisen glühend zu machen und in die Tränke zu stecken; es komme dann einer, einen Gegenstand entlehnen, aber er solle diesem innert den nächsten drei Tagen ja nichts aushändigen.
Peetsch erprobte das Mittel noch gleichen Abends. Als das glühende Eisen im Trog tschuuselte, kam einer, er kannte ihn wohl, drecknass von Schweiss in den Gaden springen und für eine Strahlhaue fragen. Peetsch gab ihm die Haue wohlweislich nicht. Von Stund ab fing das Fähdli wieder zu fressen an wie recht und gedieh bis im Christmonat zur Metzg.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch