Der Gemsjäger im Kiental
Ein Wildschütz im Kiental hatte ein Liebchen, das er gerne freien wollte. Sie wollte ihm jedoch nur dann ihre Hand geben, wenn er von seinem verwegenen Jägerleben lasse. Er schwört es ihr, will aber, ehe er sein Gewehr zerbricht, zuguterletzt noch einmal in die Berge um einen Meisterschuss zu tun. Oben in den Flühen jagt er nun seinem Ziele nach.
Wie der erste Schuss durchs Tal dahinrollt und sein Opfer den Grund mit seinem Blute rötet, löst hoch oben über ihm der Berggeist den Schnee einer Felswand los und treibt denselben mit Gewalt in die Tiefe, Wild und Jäger begrabend. Daheim bangt das Liebchen um den Jäger, und da er nicht wiederkommt, bringt es die Angst von Sinnen. Erst im Frühling, da der Schnee zerrinnt, finden die Knaben des Tals des Jägers Leiche.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.