Die entführte Nonne
Eine schöne und reiche Müllerstochter liebte einen braven, aber armen Burschen des Dorfes Muttenz. Die Eltern widersetzten sich der Heirat, und als die Tochter nicht nachgab, sperrten sie diese ins Kloster Engental. Der Jüngling wusste lange nicht, wo die Geliebte weilte. Endlich erfuhr er durch eine alte Klosterfrau, die in Jugendtagen auch einer Liebe hatte entsagen müssen, dass die Braut im nahen Kloster lebte und seiner noch immer in Sehnsucht gedachte. Auf Verabredung stellte die junge Nonne eines Nachts eine Kerze ins Fenster ihrer Zelle. Als der Jüngling draussen erschien und ihr ein Zeichen gab, liess sie sich an zusammengeknüpften Leintüchern, zu denen ihr die alte Klosterfrau verholfen hatte, hinab. Die Liebenden entflohen noch in der Nacht in die Fremde, und keine Kunde über ihr ferneres Schicksal ist mehr ins Dorf gedrungen.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch