Di Bärufrässini
Die Münstiger nennt man die "Bärufrässini". Es soll folgende Bewandtnis damit haben:
In den Wäldern von Goms hauste ein Bär. Der biss bald hier ein Schaf an, bald dort ein Rind oder ein anderes Stück Vieh, so dass die Klagen des Volkes sich mehrten. So kam der Zendenrat zusammen. Der bestand aus einem Regierungsvertreter, dem Präfekten, und allen Gemeindepräsidenten. Hier machten sie ab, alle Gemeinden an dieser Bärenjagd zu beteiligen. Sie bildeten mit diesem Kontingent einen Kreis um den Wichelwald, um den Bären dort einzuengen. Von einem Mann zum andern war nur ein kleiner Zwischenraum, so dass der Bär nicht entwischen konnte. Schliesslich befand er sich so eng im geschlossenen Kreis, dass es kein Entweichen mehr gab. Er versuchte trotzdem auszubrechen aber ein beherzter Gommer hat ihn dann erschossen, nachdem einige Angst bekommen hatten und der Kreis wieder geöffnet worden war.
Der Schütze war nicht ein Münstiger. Weil aber Münster die grösste Ortschaft war, führte man den toten Bären dorthin. Da er allen Beteiligten gehört hätte, ihn aber die Münstiger allein assen, erhielten sie den Übernamen "di Bärufrässini".
MÜNSTER
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch