Die Brücke zwischen Ernen und Fiesch
Wenn man von Ernen nach Fiesch will, muss man sich fragen, warum man denn einen so grossen Umweg mache und nicht mehr wie früher die viel kürzere gerade Strecke, die alte Fieschgasse, benütze. Das hat nun folgenden Grund.
Als man noch den alten Weg ging, spukte es unten auf der Brücke ganz gewaltig. Personen, die von Ernen nach Fiesch wollten und umgekehrt, verschwanden oft auf der Brücke auf unerklärliche Weise, und niemals fand man mehr eine Spur von ihnen. Einst wollte man auch ein Kind von Fiesch nach Ernen zur Taufe bringen. Dieses Kind verlor man nun wieder samt Paten und zwei weitern Begleitern auf unerklärliche Weise bei dieser berüchtigten Brücke. Alles Suchen war umsonst, die fünf Personen blieben verschollen. Deshalb verbrannte man die Brücke, warf die Reste ins Wasser, damit das Brückenholz von niemand benützt werden könne, und baute dann weiter unten die neue Brücke, die noch jetzt Ernen mit Fiesch verbindet.
ERNEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch