Das Weinfass im Tälli
Tälli wird das kleine Alpentälchen genannt, aus welchem der Törbjerbach herausfliesst. Dort werden im Sommer Schafe und Rinder gehütet.
Wie nun einstmals zwei Burschen den Bach hinaufgingen, um nach den Schafen zu sehen, kamen sie zu einer Höhle. Wie alle Neugierigen gingen sie hinein und fanden so hoch in den Bergen ein Fass, das voll Wein war. Natürlich tranken die Bengel vom Weine, und da er ihnen gut schmeckte, auch eins über den Durst, wie einst Noe. Als sie herauskamen, sahen sie am hellen Tage Sterne am Himmel und fanden sich gezwungen, ein Schläfchen zu nehmen und die Schafe laufen zu lassen.
So trieben sie es eine Zeitlang, ohne einem Menschen ein Sterbenswörtchen von ihrer Entdeckung zu sagen. Die Leute wussten nicht, warum die Hirten immer betrunken waren, bis diese es endlich selber sagten, denn nachdem sie das Fass ausgesoffen hatten, fiel es zusammen, und damit war auch ihre Herrlichkeit zu Ende.
TÖRBEL
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch