Der Bannhölzler (Alois Lütolf Fassung b)
Im „Zugerli" ob Walchwil im Kanton Zug ist der untere Rossberg von mancherlei grottenartigen Klüftungen durchkrochen. Da ist es unheimlich geworden, seit ein Entlebucher, namens Krummenacher, den „Bannhölzler" hierher verbannt hat samt seinem Schimmel, auf dem er früher jammernd die Walchwiler Allmend durchirrte, zur Strafe dafür, dass er sie im Leben durch einen falschen Eid der Gemeinde Walchwil entfremdet und an Zug gebracht. Er hatte beim „Schöpfer und Richter" über sich geschworen, worunter er in unredlich listigem Sinne Löffel (= Schöpfer) und Kamm (= Richter), die er in seinem struppigen Haar verborgen hielt, verstand.
Ein Mann von Walchwil sagte, der Bannhölzler sei auf den Pilatus verbannt worden. Wer ihn zitieren wolle, müsse neunmal „Koli" rufen. (Koli bedeutet: schwarz, von Kohle. Schwarze oder dunkelhaarige Pferde werden oft „Koli" geheissen.)
Junge Bursche ergötzten sich einst an einem Chilbitag mit Kegelspiel. Einer, dem fortan keine Kegel fielen, rief im Unmut dem Bannhölzler, dass er ihm helfe. Hu! da ist er schon; die aus seiner Hand geschwungene Kugel wirft das Ries nieder, und noch weiter fliegt sie, weit bis zum Kaiserstock, wo sie in den Felsen hinein fährt.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.