Schatzbeschwörung
Der Beschwörer begab sich auf den Platz, wo der Hort liegen sollte, zeichnete den Ring und sprach kniend sein Gebet, eine Anrufung der heiligsten Dreifaltigkeit, ihn vor bösen, dämonischen Einflüssen zu behüten. Dann stand er auf und neigte sich gegen den Schatz hin und betete das Evangelium nach Mathäus von der Verklärung Jesu, worauf wieder ein Gebet folgte, durch welches den bösen Mächten befohlen wird, zu weichen. Während diesem hatte der Beschwörer seine Augen zum Himmel gerichtet. Dieses bisherige mochte geschehen bei Nacht oder bei Tag. Von vier Uhr bis Nacht ging man heim und begab sich dann auf Mitternacht an die Stelle. Nun wurde erst recht Fleiss erfordert um den Geist zu beschwören und seine Kräfte zu benehmen. Um zwölf Uhr nachts wurde das Evangelium des heiligen Johannes gelesen, wobei man grosse Gefahr auszustehen hatte. Wer aber acht gab, dass nicht ein Fehler unterlief und schön im Ringe blieb, dem geschah nichts.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.