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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Spinnerin (Lötschen)

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Neben dem Backofen in Wiler stand bis zum Brande des Dorfes im Jahre 1900 das sogenannte Backhaus. Darin wohnte in uralter Zeit eine Frau ganz allein; sie war fromm und arbeitsam. Ihrer Armut wegen nahm sie andern Leuten viel zum Spinnen ab.

Nach ihrem seligen Tode sah man aber öfters eine Spinnerin auf der Laube des Hauses, worin sie gewohnt hatte. Die Leute, die die Frau für eine halbe Heilige angesehen hatten, bekamen Argwohn und dachten, es müsse mit ihrer Rechtschaffenheit doch nicht gar so gut bestellt gewesen sein.

Als das Gerede schliesslich auch dem Prior berichtet worden war, entschloss sich dieser, die Sache zu untersuchen. Er kam und sah die Spinnerin. Als er aber mit ihr redete, stellt es sich heraus, dass es der Teufel selbst war, der sich dort in Gestalt einer Spinnerin gezeigt hatte, um die Leute auf falschen Argwohn zu bringen.

LÖTSCHEN

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch