Der Zaunstab (A. Lütolf)
Auf einer kleinen Anhöhe, eine halbe Viertelstunde westwärts von Wilägeri ist ein Stück Ackerland, die Bogenmatte. Dort soll vor Zeiten ein Frauenklösterlein gestanden haben. Wirklich wurden in den letzten Jahren beim Umpflügen Spuren von Fundamentmauern entdeckt. Von daher mag auch der Name Bogenmattpfründe in Oberägeri stammen. Die Sage geht: Die dortigen Schwestern pflegten alljährlich nach Einsiedeln zu wallfahrten und hatten in diesem Falle die besondere Vergünstigung, ohne Schiff trockenen Fusses über den See hin- und herzugehen. Einst nahm eine der Schwestern auf dem Heimwege, auf dem Sankt Jost, aus Müdigkeit einen Hagstecken mit; darauf wollte der See sie nicht mehr tragen, bis sie den Stock wieder an seinen früher Ort zurückgebracht hatte.
Der Zaunstab repräsentierte das umhegte Eigentum und seine Verletzung öffnete weitern Schädigungen Tür und Tor. Daher die heilige Scheu vor ihm, als Rechtsschutz, ernst eingeprägt wurde.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.