Erdmännchen holt die Hebamme
In der Grossgruobis-Balm haben Erdmännchen ihren Aufenthalt, früher zeigten sie sich den dortigen Bewohnern sehr dienstfertig. Unter anderm habe ein solches einst einer Kindbetterin die Hebamme geholt. Nachdem diese ihren Dienst glücklich erfüllt hatte und deshalb auf gute Bezahlung wartete, kam das Erdmännchen mit einer bedeutenden Zahl Kohlen und legte dieselben der Hebamme in die Schürze mit ernstlicher Bedingung, selbe zum Feuer zu legen; es sei dies der Lohn für ihre geleisteten Dienste. Im geheimen Unwillen über solche Bezahlung und in der Meinung, andern Lohn, etwa in einem oder zwei blanken Talern, verdient zu haben, zerstreute sie diese Kohlen, während das Erdmännchen dies sah. Dasselbe sagte zur Hebamme:
„Wie meh dass zatterist
We minder dass hatterist."
Nur ein Stückchen Kohle nahm die Hebamme mit nach Hause und legte dasselbe wirklich zum Feuer, und sie fand nachher, dass es zu einem reinen Goldkügelchen geworden.
In Sarnen wirft die Hebamme die erhaltenen schwarzen Steine, so viel sie nicht fallen liess, auf die Herdplatte. Im Feuer schmolz das reinste Gold heraus.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Bei diesem Märchen gibt es keine Zuordnung zu einem der fünf Kantone. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.