Blut zeigt den Mörder an
In Rüdlingen waren einst zwei Männer ihrem gemeinschaftlichen Freunde grollend aus Neid über das Gedeihen seines Haushalts. Nun trug es sich zu, dass eines Abends spät alle drei sich über den Rhein setzen ließen, und als sie in die Mitte gekommen waren, ergriffen die beiden treulosen Meuchler ihren Freund und warfen ihn in die Wellen, also dass er ertrank. Aber des andern Tages wurde sein Leichnam am Ufer gefunden, wo ihn seine Schwester erkannte. Alsobald erhub sie bittere Klagen, und als sie in ihrem Grame wie von ungefähr den Toten frug: „Ach, Bruder, wie ist es dir ergangen?“, fielen demselben drei Blutstropfen zur Erde. Von Stund an erkannte sie, dass er eines gewaltsamen Todes gestorben sein müsse, und der Verdacht fiel auf die treulosen Freunde.
Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch