Gründungslegende der St. Niklauskapelle zu Obergailingen
Während der Heuernte spielte das wenig Jahre alte Knäblein des Hofbauern daselbst in der kühlen Scheune, stieg auf das bereits eingebrachte Heu hinauf und schlief hier, wohlig im Weichen gebettet, schließlich ein. Die von den Wiesen zurückgekehrten Eltern sowie Knechte und Mägde luden nun neues Heu auf den Stock und suchten den Knaben allenthalben. Da er jedoch nirgends gefunden ward, bemächtigte sich ihrer große Unruhe, und sie mussten endlich glauben, er sei in den nahe vorüberfließenden Rhein gefallen und ertrunken. Den Eltern verging die nächste Zeit in traurigem Gedenken an ihr Kind, das, wie sie meinten, eine dunkle Fügung ihnen genommen. Aus dieser stillen Ergebung in den Willen eines unabänderlichen Schicksals aber wurden sie jäh gerissen, als im nächsten Frühjahr beim stetigen Abtragen des Heustocks die armen Reste des erstickten Knaben gefunden wurden. In furchtbarer Erkenntnis des so unbewusst selbst verschuldeten schrecklichen Todes ihres Lieblings gelobten die Eltern, am Rheinufer eine Kapelle zu seinem Gedächtnis und zu ihrer Entsühnung zu erbauen, die nun als Obergailinger Kapelle jeden auf dem Rhein Vorüberfahrenden in ihrer grünen Idylle erfreut.
Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch