Vom feurigen Männlein
Dass es auf dem Urnerboden feurige Männlein gibt, hat man zu allen Zeiten gewusst. Freilich lassen sie sich nur in stillen, dunklen Nächten blicken und verschwinden im Morgengrauen, und so sind sie selber schuld, dass kaum einer genau weiss, wie sie aussehen.
Aber einmal, an einem schönen Sommerabend, traf es sich, dass doch ein paar Sennen ihnen von einer Wand hoch oben herunter bei ihren Spielen zusehen konnten, ohne dass sie es merkten. Sie erzählten anderntags, dass zuerst so ein Männchen von den Planggen beim Mattenzwang hergekommen sei, in lauter kurzen Sprüngen über das Wiesland, dann sei ein zweites erschienen vom Fätschbach her. Sie hätten aus allen Rippen feurig gelodert und seien alles in allem in ein feuriges Gewändlein eingekleidet, aus dem Maul aber sei ihnen gälliges Feuer geschossen, so dass sie sich beinahe gefürchtet hätten. Beide seien so hin und her durch das Gras gezüngelt, als ob sie einander suchen würden; wie sie sich dann aber erschwickt hätten, da seien sie in einem Hui aufeinander losgeschossen, bis sie in einem haushoch aufstiebenden Flammenstoss und einem argen Klapf verschwunden seien.
Der alte Ratsherr, dem sie dann die unheimliche Geschichte berichtet haben, hat nur den Kopf dazu geschüttelt und kein Wort gesagt; aber erzählt hat er den Handel in allen Dörfern.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch