Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das isländische Moos

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Das "isländische Moos", ein Alpengewächs, auch in der Apotheke zu brauchen, hat Röhrchen und Blätter. Beide sehen verdorrt aus. Die Sage erzählt, diese Röhrlein seien ehemals voll Milch gewesen. So lange die Kühe davon zu essen bekamen, haben die Sennen zu Tag drei Mal melken müssen. Als nun einst die Alpleute einen lustigen Tag hatten, fluchte einer aus ihnen, der sehr ungerne die fröhliche Gesellschaft verliess, diesem Kraut, weil er über Tag heimgehen müsse, um zu melken, und sagte: «Ich wollte, es würde verdorren, das leide Gras!»

Da sah man des anderen Morgens dasselbe wirklich verdorrt. Die Hirten gafften einander stöhnend an und sagten: «Der Dreck ist dürr.» Daher hat nun auch das isländische Moos unter dem Volke den Namen "Dürgras".

Auch vom "Kornhalm" wird erzählt, er habe ehemals an jedem Gelenk Ästchen mit Ähren getrieben. Nachdem der Mensch ungehorsam, undankbar und böse geworden, habe der liebe Herrgott diese Ästlein von unten auf abgebrochen. Ein Vermittler habe gebeten, die Oberste stehen zu lassen, für diejenigen, welche nicht gesündiget haben.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch