Untergang der Blümlisalp
Wo jetzt der Turtmanngletscher den Talhintergrund mit seinen Eismassen ausfüllt, da war einst die blütenreiche Blümlisalp, die schönste des ganzen Tales. Dort führte ein Senn mit einem Mädchen namens Kathrin, ein sündhaftes Leben. Der alte blinde Vater wurde abscheulich behandelt; man strich ihm sogar Kuhmist statt Butter auf's Brot.
In einer fürchterlichen Gewitternacht befahl der Senn dem armen Vater, das entfernte Vieh einzutreiben. Der Vater gehorchte; aber ohne es zu wollen, kam er immer weiter von der Alpe weg und die ganze Herde folgte ihm nach. — Dann stürzten ungeheure Eismassen über die Alpe herab und begruben selbe mitsamt dem bösen Sennen, der Kathrin und dem kleinen schwarzen Hunde, den jener besass.
Noch jetzt sieht man, wenn der Turtmannbach gross wird, den kleinen schwarzen Hund hin und herlaufen längs des Wassers und aus den Gletscherschründen hört man rufen:
«Ich und min Kathrin müssen immer und ewig auf der Blümlisalp syn!»
(erzählt von R. Ritz)
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch