Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Vom Chüeloch

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

Im Rücken des Schönenbergs gähnt eine senkrechte Kluft in die Tiefe. Mehrere Sekunden hört man das Poltern eines hinabgeworfenen Steines. Es mag vorgekommen sein, dass früher gefallenes Vieh hier versenkt wurde, was vielleicht zu dem Namen Anlass gab. Oder man nannte es so, weil es «chüemeesig» gross ist.

a) In dieses Loch fiel vor etwa 150 Jahren ein Mann namens Johann Mangold, als er mit Weidenschneiden beschäftigt war. Glücklicherweise blieb er an einem Felsvorsprung hangen. Er legte seine Schuhe und das Rebmesser in eine seitliche Spalte und arbeitete sich wieder herauf, indem er eine enge, seitliche Kluft benützte. Als nachher Männer mit Seilen und Leitern hinunterstiegen, fanden sie die erwähnten Gegenstände. Ohne diese untrüglichen Beweisstücke hätte niemand geglaubt, dass der Verunfallte aus der Tiefe selbständig ans Tageslicht gelangt wäre.

b) Ein anderes Mal soll ein Jagdhund in das Chüeloch gefallen sein. Sein Besitzer wagte das eigene Leben, um das Tier zu retten. Er liess sich in den dunkeln Schlund abseilen. Plötzlich sprang der Hund auf seinen Rücken und klammerte sich fest. So wurde er gerettet, doch sein Herr erlitt dabei einen so heftigen Schrecken, dass er an dessen Folgen starb.

Buus

Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch