Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Geist an der Tenntüre

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

In einem Bauernhause des Sensebezirkes hörte man jeweils während der Nacht ein Rasseln und Klirren, wie wenn mit einer schwarzen Eisenkette an die Tenntüre geschlagen würde. Bei allem Aufpassen konnte man den Anstifter der nächtlichen Ruhestörung weder erwischen noch sehen. Man besprengte den Platz vor der Tenne mit Weihwasser und zündete abends geweihte Wachskerzen an. Aber selbst die geweihten Mittel wollten diesmal nicht helfen den Spukgeist zu vertreiben. Beten, Palmzweige und Kerzen schienen keine Macht über den lärmenden Geist auszuüben. Eines Abends, als der Bauer selber die Wache hielt, fing das Lärmen von neuem an, ohne dass ein lebendes Wesen bemerkbar war. Da geriet der alte Bauer in hellen Zorn. In seiner Aufregung schrie er den unsichtbaren Ruhestörer in grober Weise an: «Sapperlot noch einmal, wenn du ein Geist bist, so sag dein Begehr, damit ich dir helfen kann. Bist du eine arme Seele, so sprich, was dir zur Erlösung abgeht. Sonst pack dich von dannen, wenn du keine Antwort geben willst.» Die grobe Rede hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Von jenem Abend an herrschte im Bauernhaus wieder Ruhe. Das Kettenrasseln war verstummt.

 

Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.