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Die Jungfrau mit dem Gold

Auf der hohen Alp Russein hantierte wacker ein Senne mit seinen Gehilfen. An einem schönen Sommermorgen öffnete sich plötzlich die Türe, und herein trat eine fremdartige und doch Vertrauen erweckende Gestalt; in reichen Wellen fielen ihre goldenen Flechten über die blendenden Schultern herab, in ihren zarten Händen trug sie ein Gefäß, und im Gefässe funkelte flüssiges Gold.

 

Die Jungfrau mit dem Gold

Auf der hohen Alp Russein hantierte wacker ein Senne mit seinen Gehilfen. An einem schönen Sommermorgen öffnete sich plötzlich die Türe, und herein trat eine fremdartige und doch Vertrauen erweckende Gestalt; in reichen Wellen fielen ihre goldenen Flechten über die blendenden Schultern herab, in ihren zarten Händen trug sie ein Gefäß, und im Gefässe funkelte flüssiges Gold. »Jeder Hirte solle davon erhalten so viel ihm beliebe, hüte sich aber, auch nur einen Tropfen zu verschütten«, mahnte die Fee. Zwei der Sennen waren genügsam, als sie ihr Gefäß ein Mal gefüllt hatten; der dritte aber, ein geiziger, habsüchtiger Mann, wollte immer mehr, stolperte und verschüttete ein wenig vom Golde, und das Gold und die segenspendende Erscheinung entschwanden den Blicken der Hirten.

Quelle: Jecklin, Dietrich: Volkstümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874, Chur 1876, Chur 1878 (Nachdruck Zürich: Olms, 1986), S. 6-7.

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