Die Eselsmaske
Unter verschiedenen Fasnachtsmasken erregte einst eine besonderes Aufsehen – eine Eselsmaske –, die auf allen Vieren daher trottete und sich an einem Strick führen liess. Überall erntete der «arme Esel» schallendes Gelächter und witzigen Spott. Am Aschermittwoch war aus dem vermummten Esel wieder ein nüchterner Arbeiter geworden. Er machte sich daran, Brennholz zu spalten. Doch heute wollte die Arbeit nicht recht vor sich gehen. Der Holzhacker schien seine gewohnte Fertigkeit verloren zu haben; jedes Mal, wenn er mit gutgezieltem Axthieb das Stück Holz spalten wollte, verfehlte der Hieb sein Ziel, immer fiel er daneben und drohte seine Füsse zu spalten. Nun kam dem Mann die Erkenntnis. Er merkte die Lehre, die ihm der Schöpfer geben wollte: der vernünftige Mensch, das Ebenbild Gottes, soll sich auch im Scherze nicht zum Tier erniedrigen.
Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.