Der harte Hofmeister
Es war an einem stürmischen Winterabend 1253, da klopfte an der hohen Pforte des Klosters Olsberg ein armer Greis und bat um Einlass und Nachtherberge; aber der harte Hofmeister der geistlichen Frauen fuhr den Bittenden rau an und hiess ihn sich fortpacken, wenn er ihn nicht mit den Hunden hetzen solle. Da verklärte sich die Gestalt des Armen, heller Glanz umstrahlte ihn und ehe er verschwand, sprach der Heiland, denn er hatte den Wohltätigkeitssinn des Klosters prüfen wollen, die denkwürdigen Worte: Date et dabitur vobis! Erschrocken schloss der Hofmeister die Pforte und schwieg mäuschenstill von seinem Abenteuer; aber die Äbtissin, eine Gräfin von Frohburg, hatte von einem entfernten Fenster alles mitangesehen; der Hofmeister ward hart getadelt und seines Amtes entlassen und seither hatte das Kloster augenscheinlich Gottes Segen.
Aus: R. M. Kully, H. Rindlisbacher, Die älteste Solothurner Sagensammlung, in: Jurablätter. Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde, 1987. Mit freundlicher Genehmigung von R.M.Kully. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch