Die Geister an der Ehrlen-Mauer
Die Ehrlen-Mauer zog sich vom östlichen Fusse des Stanserhorns gegen die Aa hin, quer über die Oberdörfer- Allmend. Sie ist längst abgetragen und ihre Reste dienen jetzt, mit Erde bedeckt, als Wall gegen allfällige Überschwemmungen der Aa. Früher war sie der ständige Sammelplatz der Geister. Wer nach Betglockenläuten dort vorbeiging, soll oft feurige Männchen oder Kinder im weissen Kleide mit brennenden Kerzen über sie wandeln gesehen haben.
Da wo die Strasse nach Engelberg die Mauer durchschnitten hatte, stund ein Helgenstöcklein. Die Leute beteten beim Vorbeigehen hier einen englischen Gruss. Einst vergass ein Mann von Stans das Gebet und verlor deswegen den Weg. Er wollte nach dem kaum zwei Minuten entfernten Dörfchen Büren hingehen, kam aber fünfmal immer im Kreise herum und wieder zum Helgenstöcklein zurück. Als er dann den englischen Gruss betete, fand er den Weg. Hätte er den englischen Gruss nicht gebetet, würde er erst durch die Betglocke von Stans vom Banne befreit worden sein.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch