Der Klystermann
Peter Britschgi aus der Schwändi, der sog. Schnuifi suchte in den 1830er Jahren in den Melchtaleralpen Zundel und übernachtete jeweilen in den dortigen Alphütten. Als Britschgi nun einmal das Lager in der Alp Klyster bezogen hatte, stieg ein gewaltiger Mann die Leiter zur Daster hinauf und hängte den breitkrempigen Hut an einen Nagel oberhalb Britschgis Haupt und schritt über denselben weg, um neben ihm Platz zu nehmen. Britschgi überfiel dabei ein eis- kalter Schauer, nicht zwar, dass es ihn gefürchtet hätte. Das wiederholte sich auch am folgenden Abend. Nun ging Britschgi zum Kaplan in's Melchtal, der den Geist erlösen sollte. Der Kaplan hörte die sonderbare Erzählung an und riet dem Britschgi, den Hut des Klystermannes mitzubringen. Am dritten Abend erschien der Geist wieder und tat wie zuvor. Britschgi sah den aufgehängten Hut wohl und wollte ihn herunterlangen, seine Hand aber griff in's Leere; er-konnte den Hut nicht fassen.
Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch